Ferien mit dem Hund

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Mein Hund wird erwachsen

Zum Erwachsenwerden gehört bei Hunden wie bei Menschen die Geschlechtsreife. Hündinnen werden mit der ersten Läufigkeit, Rüden mit Beginn der Pubertät, also wenn sie das Bein heben und anfangen, sich für Hündinnen zu interessieren, geschlechtsreif.

Die erste Läufigkeit (Hitze) ist für eine Hündin immer ein aufregendes Ereignis, das nicht nur für ihre körperliche, sondern auch für ihre seelische und geistige Entwicklung wichtig ist. Sie beginnt mit der Vorbrunst (Proöstrus), die ca.9-10 Tage dauert. Man erkennt diese Phase daran, dass die Schamlippen anschwellen und größer werden und ein zuerst schleimiges, dann zunehmend blutiges Sekret austritt. Jetzt lässt die Hündin noch keinen Rüden zu, beginnt aber sich für die Rüden zu interessieren. Die zweite Phase, die Hochbrunst (Östrus, die Standzeit oder Standhitze) dauert ca. 8-10 Tage. Die Schamlippen schwellen noch stärker an und sind aufgrund der starken Durchblutung stärker gerötet. Zu Beginn des Östrus kommt es zu stärkeren blutigen Schleimabsonderungen, die allmählich immer heller werden. Dies ist die Phase, in der die Hündin Rüden zulässt. Sie bleibt stehen (Standhitze!), legt den Schwanz und auf die Seite und beißt den Rüden nicht mehr weg. Wie weit die Hündin in der Hitze ist, kann man dadurch überprüfen, indem man sie am Schwanzansatz krault. Zeigt sie das o.gen. Verhalten, ist höchste Vorsicht geboten. Es folgt die Nachläufigkeit (Medöstrus), die ungefähr 2 Tage dauert, der Ausfluss wird geringer und die Schamlippen schwellen ab. Die Hündin ist jetzt auch wieder sehr unfreundlich zu den Rüden.

Anschließend ist die Hündin bis zum theoretischen Wurftermin scheinträchtig, und zwar jede Hündin. Die Zitzen können etwas geschwollen sein und die Hündin neigt dazu, Vorräte anzulegen oder Spielsachen (Quietschis!) zu bemuttern. Bei manchen Hündinnen nimmt das extreme Ausmaße an. Deshalb sollte sie jetzt vorbeugend stark beschäftigt werden. Auch sollte man Quietschis verstecken, damit sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt. Ca. 2 Monate nach der Läufigkeit beginnt die hormonfrei Phase (Anöstrus), die bis zur nächsten Läufigkeit dauert.

Sollte die Hündin gedeckt werden (nie vor sie ca. 2-3 Jahre alt ist), ist der Zeitpunkt zwischen dem 9. und dem 13. Tag am günstigsten. Aber Vorsicht: Wer keinen unerwünschten Nachwuchs möchte, sollte die ganze Zeit aufpassen. Zum einen werden junge, unerfahrene Hündinnen von unerzogenen oder schlecht sozialisierten Rüden schon mal vergewaltigt, zum anderen wurde manche Hündin auch noch am 20. Tag erfolgreich gedeckt. Eine läufige Hündin muss deshalb immer gut bewacht werden und darf in dieser Zeit niemals ohne Leine oder gar unbeaufsichtigt unterwegs oder im Garten sein.

Diese Zeit ist für die junge Hündin schon deswegen so wichtig, weil sie lernt, dass sie sich wehren darf und die Rüden dies auch akzeptieren. Auch dass die Rüden sie besonders interessant und toll finden, tut ihrem Selbstbewusstsein gut. Wer seine Hündin, die sich gegen einen aufdringlichen Rüden wehrt, allerdings schimpft und sie „Zicke“ nennt, der sollte mal darüber nachdenken, wie er oder sie sich fühlen würde, wenn er / sie sich nicht gegen unerwünschte Zudringlichkeiten zur Wehr setzen dürften. Vermeiden sollte man Kontakt mit unbekannten Hündinnen, da sie jetzt Hündinnen gegenüber deutlich aggressiver ist.

Wer mit seiner Hündin nicht züchten will, sollte über eine Kastration nachdenken. Zum einen wird so unerwünschter Nachwuchs vermieden, zum anderen ist die Gefahr von Milchleisten- und Gebär-mutterkrebs deutlich verringert, bzw. beseitigt. Allerdings ist es von großer Bedeutung, wann die Hündin kastriert wird. Wie oben schon erläutert wurde, ist es wichtig, dass die Hündin diese Phase wenigstens einmal erlebt. Nach Abklingen der Läufigkeit wartet man noch ca. 3 Monate. Jetzt befindet sich die Hündin in der hormonfreien Phase. Dies ist an ihrem Verhalten daran erkennbar, dass sie normal frisst, nicht  übermäßig aggressiv gegenüber anderen Hündinnen und überhaupt einfach ein normaler Hund ist. Wenn sie zu diesem Zeitpunkt kastriert wird, bleibt sie auch so. Allerdings muss man damit rechnen, dass die Hündin aufgrund der Kastration Gewichtsprobleme bekommt und evtl. inkontinent wird. Deshalb bekommt sie evtl. etwas weniger zu fressen. Inkontinenz kann vom Tierarzt behandelt werden.

Von einer Kastration kurz vor oder nach der Läufigkeit ist dringend abzuraten. Hündinnen, die vor der ersten Läufigkeit kastriert wurden, haben meistens ein Babyfell, sehr kindliches und unsicheres Verhalten und neigen zu Ängstlichkeit. Von vielen Hunden, auch Rüden, werden frühkastrierte Hündinnen sehr unfreundlich behandelt. Vermutlich können sie aufgrund des Geruchs die Hündin nicht richtig einordnen. Mit viel Glück wird die Hündin trotzdem einigermaßen erwachsen werden, aber es fehlt ihr ein wichtiger Punkt in ihrer Entwicklung.

Bei den Rüden ist es nicht ganz so kompliziert, aber auch nicht ganz einfach. Ein Indiz ist der Zeit-punkt, an dem der Kleine anfängt das Beinchen zu haben. Vielleicht sieht er das bei seinen Kumpeln, die schon ein bisschen weiter sind als er und macht es einfach nach. Vielleicht lässt er sich auch Zeit damit. Mit Sicherheit ist es kein Zeichen von Dominanz, wenn ein Rüde sehr bald damit anfängt und es ist auch nicht das Zeichen für die Geschlechtsreife. Wesentlich spannender wird es, wenn er ab einem Alter von ca. 6-7 Monaten erwachsene Rüden trifft. Wie verhält er sich jetzt? Zeigt er immer noch Spielverhalten oder beginnt er, die Großen herauszufordern? Wenn der andere Rüde gut sozialisiert ist, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Er wird souverän den Kleinen in seine Schranken verweisen. Der wird sich aber auf Dauer, also im Laufe des nächsten Jahres, Zurechtweisungen immer

weniger gefallen lassen. Rüdenbegegnungen können also durchaus immer unerfreulicher werden. Unser Hund muss also lernen, dass auch andere Rüden auf dieser Erde leben dürfen. Mit Bogengehen, ihn auf die andere Seite nehmen, loben, wenn er gegenüber anderen Rüden ein gutes Benehmen zeigt, können wir ihm das beibringen.

Zu den Mädels wird er dafür umso freundlicher. Am Urin von läufigen Hündinnen wird jetzt ausgiebig geschnüffelt, und zwar so, dass er kaum ansprechbar ist. Er flirtet mehr mit den Mädels und lässt sich auch mehr von ihnen gefallen. Unter Umständen singt er einer besonders Holden auch mal ein Lied vor. Manche Rüden fasten auch gerne mal, wenn läufige Hündinnen in der Nähe sind.

Für die Menschen ist es ein ziemlicher Schock, wie schnell sie abgeschrieben sind, wenn ihr kleiner Freund plötzlich nur noch „die Weiber“ im Kopf hat. Normalerweise gibt sich das aber wieder.

Bis auf wenige Ausnahmen bei bestimmten Rassen ist Kastration vorbeugend bei Rüden nicht notwendig. Kastrierte Rüden haben viele Probleme. Wurden sie sehr früh, z.B. mit 6 Monaten kastriert, können sie normales Rüdenverhalten überhaupt nicht entwickeln und werden ihr Leben lang von anderen Hunden wie Babys behandelt, die man dauernd maßregeln muss. Manche Hündinnen reagieren aggressiv auf kastrierte Rüden und Rüden finden oft, dass Kastraten sehr gut riechen und wollen sie besteigen. Das ist für den kastrierten Hund aber alles andere als angenehm. Ein sehr selbstbewusster Hund, der schon starkes Rüdenverhalten entwickelt hat, kann darauf sehr aggressiv reagieren. Bereits entwickeltes Rüdenverhalten wird durch eine Kastration in den wenigsten Fällen beeinflusst.

Gegen Verhaltensprobleme vorbeugend zu kastrieren, hilft weder bei Hündinnen noch bei Rüden. Nur wenn das unerwünschte Verhalten geschlechtsspezifische Ursachen hat und man gleichzeitig eine Verhaltenstherapie durchführt, kann eine Kastration helfen. Beispiel: eine Hündin, die vor und während der Läufigkeit extrem aggressiv gegenüber anderen Hündinnen ist, wird, wenn sie in der hormonfreien, also nicht aggressiven Phase kastriert wurde, dieses Verhalten nicht mehr zeigen. Aber ein Rüde, der aus Langeweile streunt, wird auch noch nach dem Kastrieren streunen. Wenn er Probleme mit anderen Rüden hatte, wird sie auch als Kastrat haben, weil sie ihn dann für eine Hündin halten und noch mehr nerven.

Wann ein Hund geschlechtsreif wird, ist sehr stark rasseabhängig. Die Hündin wird normalerweise 2x im Jahr läufig, Rüden sind das ganze Jahr über deckbereit. Auch das ist ein wichtiger Punkt, wenn man sich überlegt, ob man sich einen Rüden oder eine Hündin, bzw. welche Rasse man sich zulegt.

Gründe für eine Rüdenkastration können sein: Einhodigkeit, Prostataprobleme, Hodenkrebs, übersteigertes Sexualverhalten.
 

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